Morgan Robinson

Colonial Archives and Decolonizing Impulses

Colonial Archives and Decolonizing Impulses Überlegungen zur Praxis afrikanischer Geschichte Von: Morgan Robinson

Als Historikerin habe ich in den Lesesälen von verschiedenen Archiven gesessen, blätternd in der Geschichte, in den Leben der Vergangenheit. Mit Ostafrika des 19. Jahrhunderts als Schwerpunkt habe ich u.a. in Sansibar, Dar es Salaam, Oxford, London, Berlin und Hamburg Akten gelesen, die von Missionar:innen, Beamt:innen und Wissenschaftler:innen erstellt wurden. Ich habe auch mit den Akten von ostafrikanischen Autor:innen, Angestellten, Pfarrern, Studierenden, Dichter:innen und vielen mehr gearbeitet. Aber in fast jedem Fall musste ich das Archiv durch einen europäischen Akteur betreten: meine Publikationen zitieren den „Ernst Dammann Nachlass“ oder die „Charles Richards Papers“, das Archiv der „Universities’ Mission to Central Africa“ oder die „Records of the Colonial Office“. Die Struktur des Archivs in ehemaligen kolonialen Räumen, mit anderen Worten, ist immer noch kolonial: die Archive stammen aus der Kolonialzeit, sie bedienen die kolonialen Ordnungen und sie tragen diese Logiken in die postkoloniale Zeit.

Das Problem des kolonial konstruierten Archivs ist Historiker:innen, insbesondere denen, die koloniale oder postkoloniale Geschichte erforschen, wohl bekannt. Als Antwort auf die unübersehbar koloniale Form von vielen Archiven haben Historiker:innen versucht, archivalische Quellen sowohl „gegen den Strich“ („against the grain“) als auch mit demselben („with the grain“) zu lesen. Sie haben nach den „Spuren“ des Subalterns gesucht und sich bemüht, die Stimmen der zum Verstummen gebrachten Figuren hörbar zu machen. Trotz dieser wohlmeinenden Mühe stoßen immerhin viele Historiker:innen (darunter ich) gegen die Struktur, die Interessen und die Logik des kolonialen Archivs. Was, wenn es einen anderen Denkansatz gäbe? Wie zum Beispiel das Zuhören? Wenn wir neue Geschichten schreiben wollen, ist dies eine wichtige Frage. Und es ist eine der zentralen Fragen einer Konferenz, die Mitte Oktober 2023 in Basel stattgefunden hat. Veranstaltet von den Basler Afrika Bibliographien in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Afrikastudien an der Universität Basel und der Schweizerischen Gesellschaft für Afrikastudien, wurde das Thema „Conjunctions of Archives and Public Spheres: Embodied Histories, Memory and Multi-Media Archives in and from Africa“ diskutiert. Multimedia – einschließlich Fotos, Tonaufnahmen und Video – hat laut des Call for Papers die Fähigkeit, sowohl historische Darstellung als auch Erinnerungen zu dokumentieren: Phänomene, die seltener aus Akten kommen. Und oft stellen solche Quellen eindeutig heraus, wie mangelhaft die kolonialen Logiken einer Mehrheit der Archive zu vielen Geschichten passen: sie aktualisieren die Geschichte der Unterwerfung und versuchen, lokale Epistemologie zu löschen.1 Wie der kenianische Autor und Intellektuelle Ngũgĩ wa Thiong’o schrieb: „A focus on performance brings out the obvious: that much of our relationship to reality, even to the everyday, is negotiated through performance. The invisible is often made visible through performance.“2 Die vergänglichen, aber prägenden Einflüsse des Alltags – die mit den großen Mächten der Geschichte verbunden sind – zu verstehen, ist eine komplexe Aufgabe. Historiker:innen, die afrikanische Geschichte erforschen, vom klassischen Zeitalter bis zur Gegenwartsgeschichte, haben sich dieser Herausforderungen angenommen und daraus einige Methoden entwickelt: vom sorgfältigen Fokus auf mündliche Überlieferung, Oral History, und dem Sammeln und Aufschreiben von Lebensgeschichten, bis hin zur Eingliederung von archäologischen, linguistischen, ökologischen, ethnografischen und literarischen Quellen in das Schreiben der Geschichte. Im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verbreiterten Afrikanist:innen die Grundlage der Geschichtsforschung deutlich.3

Trotzdem ist das Schreiben von afrikanischer Geschichte, mit der gefühlten Unvermeidlichkeit des kolonialen Archivs, eher Monolog als Dialog. Als freundlicher, aber fester Aufstand gegen diese Unvermeidlichkeit kamen die Teilnehmer:innen von „Conjunctions of Archives and Public Spheres“ – Historiker:innen, Archivar:innen und Künstler:innen u.a. aus der Schweiz, aus Deutschland, Namibia und Südafrika – zusammen und machten Vorschläge, wie wir mit dem kolonialen Archiv umgehen können/sollen/müssen. Und wie, der entscheidende Schritt, Archive benutzt werden können, um inklusiver, kreativer und gerechter Geschichte zu erforschen und zu schreiben. Ich würde gern hier, inspiriert von der Leidenschaft und dem Scharfsinn meiner Kolleg:innen, einige dieser Vorschläge teilen, in der Hoffnung, dass es Inspiration schafft und damit neue Ideen, Methoden und Projekte motiviert. Die Vorschläge teilen sich in zwei Typen: ein Typus bezieht sich auf die Struktur des Archivs und die Quellen, die darin eingeschlossen werden oder werden sollen. Die anderen Vorschläge konzentrieren sich eher auf die Denkweise, mit der die Benutzer:innen des Archivs die Quellen behandeln.

Die Struktur des Archivs

Im letzten Jahrzehnt drängte die Frage der Rückgabe von Kunstwerken und anderen Objekten aus euro-amerikanischen Museen in ehemalige Kolonien ins populäre Bewusstsein.4 Aber solche Forderungen von zum Beispiel afrikanischen Staaten haben eine längere Geschichte, als viele wissen, und die Museumswelt sträubte sich lange gegen Provenienzforschung.5 Aber jetzt wird dieses heikle Thema endlich, in einigen Bereichen, bearbeitet; einer der bekanntesten Fälle ist der der sogenannten „Benin Bronzes“, von denen einige in den letzten Jahren nigerianischen Institutionen übergeben wurden.6

Ein wichtiges Puzzle der Provenienz steht auch Archivar:innen bevor. Ein Nachlass mit unattribuierten Manuskripten, private Information über Untertan:innen gesammelt von Kolonialregierungen oder in dem Fall, den Dr. Anke Schürer-Riese vorgestellt hat, ein digitalisiertes Fotoalbum aus den 1930ern ohne vollständige Provenienz: Was genau ist die Verantwortung der Archivarin, die solche Quellen konservieren und verfügbar machen muss?7 Eine Antwort, mit der die ganze Konferenz durchwoben war, ist eine Haltung von radikaler Transparenz bezüglich der Entscheidungen über Verfügbarkeit und Reproduzierbarkeit und über die ausdauernden Lücken in unserer Kenntnis über die Errichtung vieler kolonialen Quellen. Der Versuch, solche Lücken zu füllen, braucht die Zusammenarbeit zwischen Archivar:innen, Historiker:innen und den betreffenden Communities.

Aber die Logik von kolonial aufgebauten Archiven kann Provenienzforschung verdrängen – sie kann sicherstellen, dass bestimmte Nutzer:innen privilegiert werden und bestimmte Forschung erleichtert wird. Letztendlich heißt es, dass bestimmte Narrative ermöglicht werden. Der Umbau einer solchen Logik erfordert strukturelle Änderungen, wie zum Beispiel die Verwendung von außereuropäischen Sprachen in Katalogen oder Suchfunktionen – weil Sprache in das akademische Schreiben einsickert, woran uns Dr. Fabian Krautwald und Dr. Lorena Rizzo in ihren Anmerkungen nach der Präsentation „Colonial Archives, Multi- and Intermediality“ erinnerten.8

Eine andere hartnäckige Logik des Archivs ist die Vorstellung davon, was genau zu einem Archiv „gehört“. Papier, unbedingt; Fotos, auch; aber bezüglich Ton, Objekten oder Videos wird es schwieriger. Und die Schwierigkeiten bestehen nicht nur aus Fragen nach der Lagerung solcher Quellen, sondern wirken auf die Interpretation zurück. Wenn etwas nicht als historisch „wertvoll“ anerkannt wird, wird es vermutlich nicht archiviert. Als Beispiel führte Dr. Estrella Samba-Campos die Wirkungen von „oral monotheism“ in Sierra Leone vor: unter Berücksichtigung von TikTok-Videos, die von der „Christmus“ (Christian-Muslim) Community erstellt werden, behauptete Samba-Campos, dass die orale Praxis dieser Religionen Raum für religiösen Pluralismus und einen hohen Grad an religiöser Toleranz schafft.9 Diese Argumentation erfordert ein sorgfältiges und ernstes Engagement mit oralen Quellen, die oft ignoriert oder abgelehnt werden. Oralität ist für viele Gesellschaften, in der Vergangenheit und heute, eine Technik der Historisierung und Konservierung – ein unvertrautes System für viele Wissenschaftler:innen, die im euro-amerikanischen Kontext ausgebildet werden. Archive wurden in dieser komplexen Realität von Oralität und Schriftlichkeit erstellt. Deswegen müssen wir alle, die Archive wertschätzen, einen Weg finden, um orale neben schriftliche Quellen zu stellen.

Und schließlich könnten die Schützer:innen und Benutzer:innen von kolonialen und postkolonialen Archiven neue Logiken forcieren, indem sie Archive wie lebendige, sich wandelnde Ressourcen behandeln statt wie feste Sammlungen „der“ Vergangenheit. Siviwe James, Modepraktikerin und Forscherin, fragte: Wann hören wir auf, Quellen zu Archiven beizutragen? Und wer hat die Macht, das zu entscheiden? Sie mahnte, dass das Archiv nur lebt, solange die betreffenden Communities ihre Geschichten hinzufügen können.

Zusammenfassend: Sollen wir das koloniale Archiv immer noch benutzen? Schon. Aber wir dürfen nicht seiner bestehenden Struktur nachgeben. Das heißt, wann und wo man die Möglichkeit hat, sollen neue Quellen, neue Sprachen und neue Logiken ins Archiv getragen werden. Manchmal jedoch liegt die Frage von archivalischer Struktur außerhalb der Kontrolle der Benutzer:innen. Was dann?

Archivalisches Denken

Die Fragen, die an Quellen gestellt werden, sind zentrale Beschäftigungen von Historiker:innen. Sie fokussieren unsere Aufmerksamkeit, während wir lesen, und sie gestalten die Beweise, die wir aus den Quellen ziehen. Die Fragen bilden die Basis, auf der eine Geschichte geschrieben wird. Indem man neue Fragen stellt, bekommt man einen neuen Blickwinkel auf die Vergangenheit. Die Teilnehmer:innen von „Conjunctions of Archives and Public Spheres“ haben u.a. zwei Empfehlungen für neue Hauptfragen gegeben: Wo sind die Körper und wie klingt das Schweigen? Fangen wir mit dem Körper an.

In seiner umfangreichen Studie The Walking Qur’an, in der es um islamische Bildung in Senegambia (einschließlich dem heutigen Senegal, Gambia und Mauretanien) geht, nutzte der Historiker Rudolph Ware den Ausdruck „bodies of knowledge“, um „not only texts, libraries, and archives but also the physical forms of human beings“ zu beschreiben.10 Der Körper, nach Ware, ist wesentlich für eine epistemologische Geschichte des Islams, und von dort aus machte er weitreichende Argumente zur globalen Geschichte dieser Religion. In ihrer Keynote „Archival F(r)ictions“ haben Dr. Martha Akawa, Universität Namibia, und Dr. Nashilongweshipwe Mushaandja, Wissenschaftler in Performance Studies, in ähnlicher Weise den Körper in historische Forschung eingebettet. Das Thema „embodiment“ wird seit Jahrzehnten in der Soziologie diskutiert, von Marcel Mauss‘ „Körpertechniken“ bis zum 2019 erschienenen Oxford Handbook of the Sociology of Body and Embodiment.11 Aber im Fach Geschichte ist der Körper an sich meist ein Vertreter für quantitative Daten und „embodiment“ wird oft im Sinne von „Exemplar“ statt wörtlich „Verkörperung“ benutzt – vielleicht weil die vergangenen Erfahrungen des Körpers schwer genau zu bestimmen sind.12 Und doch sind diese verkörperten Erfahrungen genau die Weise, auf die Menschen ihre Geschichten erleben. Hier könnten unterschiedliche mediale Quellen uns wieder helfen: in Fotos sieht man Körperhaltungen, Kleidungen und Gesichtsausdrücke; über Audio hört man Stimmen, die höher oder leiser sind, die abbrechen oder zögern oder brüllen; ähnliche Details findet man bei Musik oder Video, Objekten oder Performance – wenn man den Körper sucht, ist er plötzlich überall. Der Körper, insbesondere während der Kolonialzeit, war immer das Subjekt staatlichen Interesses; gleichzeitig ist der Körper etwas höchst Persönliches – fragil und unbeherrschbar, berechenbar und willkürlich, individuell und gesellschaftlich. Wenn man die Frage des Körpers in den Mittelpunkt rückt, werden neue Perspektiven von und auf Geschichte ermöglicht.13 Zurück zum Beispiel The Walking Qur’an, bei dem Ware behauptete: „Human ‚bodies of knowledge‘ are made, not born. Islamic learning is brought into the world through concrete practices of corporeal discipline, corporeal knowledge transmission, and the deeds of embodied agents. Knowledge in Islam does not abide in texts; it lives in people. From this viewpoint, some of the non-sense of the Qur’an school may make sense after all.“14 Zum Beispiel beschrieb er das Verhalten der Studierenden, nach dem Auswendiglernen einer koranischen Textstelle den geschriebenen Text von ihren Schiefertafeln zu waschen und das Wasser zu trinken, um die Wörter in ihre Körper zu bringen: ein Teil ihrer Formung wie Gefäße des Korans. Solche Gebräuche sind nicht nur als Teil einer wesentlichen Form islamischen Wissens verstanden worden, sondern auch als Beweis der seit langer Zeit bestehenden islamischen Praxis in Westafrika und der Bewahrung älterer Formen von islamischem Wissen und Praxis in dortigen gegenwärtigen koranischen Schulen.15 In diesem Beispiel richtete Ware mittig die körperlichen Praxen der koranschulengehenden Studierenden aus, um ein Argument über die Verbindung zwischen Text und Körper in der Geschichte islamischen Wissens, Bildung und Geschichte zu erläutern.

Der Körper und körperliche Praxis beziehen sich auf „Anwesenheit“ in der historischen Forschung: die Körper waren physisch präsent, sie haben die Vergangenheit erlebt und wir können sie durch Fotos, Beschreibungen, statistische Daten und materielle Kultur erforschen. Aber was macht man mit archivalischer Abwesenheit? Denn im Bewusstsein jedes Historikers und jeder Historikerin steckt die Tatsache, dass es für jedes einzige Stück Papier in einem Archiv oder für jedes Foto und jede Aufnahme mehrere Tausenden andere Artefakte geben könnte. Diese undokumentierten Geschichten sind ein Teil des archivalischen Schweigens. Manchmal ist das Schweigen wörtlich, wie Raffaele Perniola, Doktorand an der Universität Basel, zeigte: mit der musikalischen Sammlung des Nationalarchivs in Namibia arbeitend, horchte er auf die Kratzer und Pausen auf Schallplatten als Zeichen von apartheidzeitlicher Zensur. Tonaufnahmen können auch unabsichtliche Details einfangen, von Hintergrundgeräuschen oder -stimmen, Unterbrechungen und Exkursen, bis hin zu Hinweisen auf die Technologie oder Technik, die benutzt wurden, um den Ton zu speichern. Diese wörtlichen Kratzer und Pausen – die schweigenden Momente – zwingen uns, nach ihrer Bedeutung zu suchen. Sie erinnern uns auch an das andere, abstrakte Schweigen – die abwesenden Geschichten –, das sich in jedem Archiv findet. Dieser Schritt ist für viele Historiker:innen unangenehm: Wir sind geschult darin, unsere Forschung vorsichtig auf Beweise zu bauen. Was macht die Historikerin dann mit abwesenden Geschichten? Hier könnte man nach der Kreativität fragen: Ich meine nicht unbedingt die Methode von „critical fabulation“, geprägt und ausgearbeitet von Saidiya Hartman in ihrem Artikel „Venus in Two Acts“, die einige Historiker:innen aufgegriffen haben, um die Geschichten von marginalisierten Communities zu schreiben.16 Ein anderer Weg wäre, mit Künstler:innen zusammenzuarbeiten.Wie der Regisseur, Drehbuchautor und visuelle Historiker Perivi Katjavivi mit seinen Filmen demonstriert – einschließlich seinem aktuellen Film Under the Hanging Tree, der dieses Jahr als Einsendung von Namibia zu den Academy Awards ausgewählt wurde –, können kreative Nacherzählungen uns viel über Geschichte lehren. Durch einen angespannten Krimi mit der Figur von Christina, einer Herero Polizistin, im Zentrum, erforscht der Film die Nachwirkungen von Kolonialismus und Genozid im gegenwärtigen Namibia. Die Geschichte Namibias steht im Zentrum der Aufmerksamkeit der Zuschauer:innen, wenn man zum Beispiel die Generationenkluft zwischen Christina und ihre Tante beobachtet oder die besessene Handlung der Frau eines deutschen Bauern. Kunst benutzt all die Quellen, die die gewünschten Botschaften vermitteln: Under the Hanging Tree verwebt Erzählkunst, Musik und Mysterium mit historischen Fotos und Ereignissen und damit bekommen die Zuschauer:innen einen tiefen, fast erlebten Sinn der Geschichte Namibias. Es ist kein angenehmes Gefühl. Aber wir lernen viel von „archival frictions“, wie Nashilongweshipwe Mushaandja und Martha Akawa es formulierten. Und indem wir solche Frictions/Friktionen bewusst schaffen – durch die Kombination von verschiedenen Quellen und das Gespräch zwischen Geschichte und Kunst, Vergangenheit und Gegenwart –, stellen wir neue Perspektiven auf Geschichte vor.

Die hier diskutierten Denkweisen sind keine Verpflichtung: sie antworten nicht auf jede historische Frage. Aber die Offenheit, solche Methoden auszuprobieren und in akademischen Räumen zu diskutieren: das ist unsere Pflicht, wenn wir koloniale Archive benutzen wollen, um neue Geschichten zu schreiben. Im Endeffekt, laut Martha Akawa, Ndapewa Fenny Nakanyete und Nashilongweshipwe Mushaandja, erfordert die Forschung von kolonialen und postkolonialen Geschichten beharrliche Ausdauer und die Hingabe, „scattered archives“ nachzuspüren.17 Die treibende Kraft hinter all den Vorschlägen, die ich hier zu beschreiben versucht habe, ist „to humanize the work that you will put back into the laptop“.18 Mit diesem Ziel vor Augen freue ich mich auf die kommenden Ergebnisse und die Vielfalt der Geschichten, die wir eines Tages werden lesen können.

References

  1. Peralta, Dan-el Padilla (2020): Epistemicide: The Roman Case, in: Classica, Heft 33, Nr. 2, S. 151–186, https://doi.org/10.24277/classica.v33i2.934.
  2. Thiong’o, Ngũgĩ wa (2007): Notes towards a Performance Theory of Orature, in: Performance Research, Heft 12, Nr. 3, S. 4, https://doi.org/10.1080/13528160701771253.
  3. Es zählen einige wichtige Studien mit, beispielsweise: Vansina, Jan (1985): Oral Tradition as History, Neue Aufgabe, Madison: University of Wisconsin Press; Wright, Marcia (1993): Strategies of Slaves and Women: Life-Stories from East/Central Africa, London: James Curry; Schoenbrung, David Lee (1998): A Green Place, A Good Place: Agrarian Change, Gender, and Social Identity in the Great Lakes Region to the 15th Century, Portsmouth: Heinemann; und Feierman, Steven (1990): Peasant Intellectuals: Anthropology and History in Tanzania, Madison: University of Wisconsin Press.
  4. Petrou, Marissa (2023): Colonial entanglements: Benin’s cultural heritage and the Dresden royal collections, in: KWI-Blog, 03/04/2023, https://doi.org/10.37189/kwi-blog/20230403-0830.
  5. Savoy, Bénédicte (2021): Afrikas Kampf um seine Kunst: Geschichte einer postkolonialen Niederlage, München: C.H. Beck, https://doi.org/10.17104/9783406766985.
  6. https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/rueckgabe-benin-bronzen-2155038 (letzter Zugriff: 17.11.2023).
  7. Dr. Anke Schürer-Riese ist Datenkuratorin der Forschungssammlung des Instituts für Afrikastudien an der Universität Bayreuth.
  8. Dr. Fabian Krautwald ist Charles E. Scheidt Postdoctoral Fellow in Genocide and Mass Atrocity Prevention an der Binghamton University und Dr. Lorena Rizzo ist Privatdozentin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Departements Geschichte und des Zentrums für Afrikastudien an der Universität Basel.
  9. Dr. Estrella Samba-Campos ist Margarita Salas Postdoctoral Research Fellow an der Universidad Complutense de Madrid.
  10. Ware, Rudolph (2014): The Walking Qur’an: Islamic Education, Embodied Knowledge, and History in West Africa, Chapel Hill: University of North Carolina Press, S. 4, https://doi.org/10.5149/northcarolina/9781469614311.001.0001.
  11. Mauss, Marcel (2010): Die Techniken des Körpers, in: Soziologie und Anthropologie, Bd. 2, Wiesbaden: VS Verlag, S. 199–220, https://doi.org/10.1007/978-3-531-92065-8_13; Boero, Natalie und Katherine Mason (Hrsg., 2021): The Oxford Handbook of the Sociology of Body and Embodiment, Oxford: Oxford University Press.
  12. Ware 2014, S. 8.
  13. Aber wir müssen nicht den Körper romantisieren, laut Mushaandja, „because the body also brought colonialism“.
  14. Ware 2014, S. 8.
  15. Ebd., S. 10.
  16. Hartman, Saidiya (2008): Venus in Two Acts, in: Small Axe, Heft 12, Nr. 2, S. 1–14, https://doi.org/10.1215/-12-2-1.
  17. Akawa, Martha, Ndapewa Fenny Nakanyete und Nashilongweshipwe Mushaandja (2023): ’Eekamba adishe nadi ufanwe, eendingosho adishe na di ongelwe u pule kwali Nashima’: Nanghili Nashima, the performer and feminist intellectual, in: Journal of Namibian Studies, Heft 33, S. 7–29, https://doi.org/10.59670/jns.v33i.273.
  18. Mushaandja, Nashilongweshipwe und Martha Akawa (2023): Archival F(r)ictions, Conference Keynote: Conjunctions of Archives and Public Spheres: Embodied Histories, Memory and Multi-Media Archives in and from Africa, Basler Afrika Bibliographien, 20. Oktober 2023.

SUGGESTED CITATION: Robinson, Morgan: Colonial Archives and Decolonizing Impulses. Überlegungen zur Praxis afrikanischer Geschichte, in: KWI-BLOG, [https://blog.kulturwissenschaften.de/colonial-archives-and-decolonizing-impulses/], 19.02.2024

DOI: https://doi.org/10.37189/kwi-blog/20240219-0830

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