In Zeiten von fake news, alternativen Fakten und debunking ist Wahrheit längst zum Kampfbegriff geworden – oder war sie es immer schon? Im Aufeinandertreffen konkurrierender Geltungsansprüche wird stets zweierlei deutlich: Wahrheit ist nicht im Singular zu haben. Und: Wahrheiten werden gemacht und verändert. Beides wird umso deutlicher, wenn der Blick auf historische Praktiken der Wahrheitsproduktion fällt, die aus gegebener Distanz untersucht werden können. Eben diesem Unternehmen widmen sich Promovierende verschiedener geisteswissenschaftlicher Fächer der Ruhr-Uni Bochum im DFG-Graduiertenkolleg 2945 „Wissen – Glauben – Behaupten. Wahrheitsproduktion und Wahrheitsdurchsetzung in der Vormoderne“. Sie stellen hier Fallbeispiele aus ihren Projekten vor, die zeigen: [...]
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Wahrheitsdinge | Things of Truth
In Zeiten von fake news, alternativen Fakten und debunking ist Wahrheit längst zum Kampfbegriff geworden – oder war sie es immer schon? Im Aufeinandertreffen konkurrierender Geltungsansprüche wird stets zweierlei deutlich: Wahrheit ist nicht im Singular zu haben. Und: Wahrheiten werden gemacht und verändert. Beides wird umso deutlicher, wenn der Blick auf historische Praktiken der Wahrheitsproduktion fällt, die aus gegebener Distanz untersucht werden können. Eben diesem Unternehmen widmen sich Promovierende verschiedener geisteswissenschaftlicher Fächer der Ruhr-Uni Bochum im DFG-Graduiertenkolleg 2945 „Wissen – Glauben – Behaupten. Wahrheitsproduktion und Wahrheitsdurchsetzung in der Vormoderne“. Sie stellen hier Fallbeispiele aus ihren Projekten vor, die zeigen: Wahrheiten werden nicht nur mit Worten gemacht. Stattdessen konkretisieren sich Praktiken der Wahrheitsproduktion und -durchsetzung im Materiellen und weisen so auf teils sehr heterogene Verfahren von Evidenzerzeugung hin. Auch können sich die Dinge neuen und alten Wahrheiten in den Weg stellen, ihre Verbreitung behindern, ihre Plausibilität untergraben. Die Arbeit an der Wahrheit zeigt sich als Arbeit mit und an den Dingen und gleichsam den Dingen eingeschrieben.
In times of fake news, alternative facts, and debunking, truth has long since become a contested term – or has it always been? The clash of competing claims of validity invariably makes two things clear: there is no truth in the singular, and truths are created and subject to change. Both aspects become all the more apparent when we look at historical practices of truth production that can be investigated from a certain critical distance. Doctoral students from different disciplines across the humanities at Ruhr University Bochum are engaging with this very task in the DFG Research Training Group 2945 “Knowing – Believing – Asserting. Production and Enforcement of Truth in the Premodern Period”. Here they present case studies from their projects, which show that truths are not solely verbally constructed. Instead, practices of producing and enforcing truth take material form, evincing processes of evidence generation that are, in part, quite heterogeneous. Additionally, various things can stand in the way of old and new truths, impeding their dissemination and undermining their plausibility. Working on truth means working with and on things, even as this work is inscribed within things.
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