Blogredaktion

Lesetipps für die Sommerpause

Lesetipps für die Sommerpause Reading Tips for the Summer Break Von: Blogredaktion

Nach einer spannenden Blogsaison – gekennzeichnet unter anderem durch den Start der Reihen ANGST+ und Wortatlas – verabschieden wir uns bis Anfang September in die Sommerpause. Um unsere Leser*innen auch über den Sommer hinweg mit Lesestoff zu versorgen, haben wir das KWI-Kollegium um Lektüreempfehlungen gebeten. Herausgekommen ist ein bunter Strauß aus Romanen, Fach-, Sach- und Fotobüchern sowie Autobiographien und Essays:

After an exciting season on our blog – marked for instance by the beginning of our series FEAR+ and Word Atlas – we are taking a much-needed break over the summer. In order to provide our readers with further food for thought, we asked our KWI colleagues for some reading tips, resulting in a colourful assortment containing novels, autobiographies and essays, as well as theoretical and scholarly works:

Miriam Wienhold

Elizabeth von Arnim, Elizabeth und ihr Garten (1898)

Vom Glück eines eigenen Gartens, dem Duft nasser Erde und blühender Rosen. Für alle mit und ohne Garten ein Genuss.

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Volker Heins

Johny Pitts, Afropäisch. Eine Reise durch das schwarze Europa. (2020)

Schwarze Menschen in Europa sind daran gewöhnt, dass man durch sie hindurchsieht, so als wären sie nicht da, oder dass man sie anschaut, als würden sie eigentlich woanders hingehören: nach „Afrika“. Die Lektüre des Buches lohnt sich schon deshalb, weil der britische Autor, Radio-Moderator und Fotograf Johny Pitts auf seinen Reisen nach Amsterdam, Berlin, Brüssel, Lissabon, Marseille, Moskau, Paris und Stockholm genau hinschaut und den Menschen mit afrikanischen Wurzeln, die er trifft, genau zuhört: Sängerinnen, Intellektuelle, DJs, Studierende, Arbeitslose, Aktivistinnen, Handtaschen-Verkäufer. Es gibt nicht einen weißen und einen schwarzen „Kontinent“, sondern nur eine „afropäische“ Welt, die wir selbst entdecken können. Es ist ein Vergnügen, mit dem jungen Mann aus Sheffield mitzureisen. „One typically Arctic evening in Berlin, I discovered a little piece of Afropea glowing in the darkness of Friedrichshain.” Wer möchte da nicht weiterlesen?

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Anja Schürmann

Talisa Lallai, Autosole (2020)

Sollten Sie diesen Sommer nicht selbst im Roadster auf der Autobahn A1 von Mailand nach Neapel sitzen können, dieses Fotobuch nimmt Sie mit auf seine Grand Tour: Durchaus im Sinne historischer Reisebeschreibungen, die das Eigene stets im Fremden suchten, die Exotismus, aber auch Bildung wollten, die Italien so sehr zum Sehnsuchtsort um die Ecke gemacht haben, dass wir jedem Foto mit einem Seufzer begegnen möchten. Die Fotografin Talisa Lallai schildert ihre Grand Tour als fotografischen Reisebericht und setzt jene Seufzer ins Bild. Seufzer, die weder ihre Anziehungskraft noch ihren Eskapismus leugnen können. Indem sie in unsere postmodernen Äuglein Bildausschnitte aus dem 17. Jahrhundert, italienisches Licht und arkadische Arrangements träufelt, wirft sie uns das Sublime, die Erhabenheit als Begriffe zurück, ohne sie ganz auflösen zu müssen.

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Britta Acksel

Dana von Suffrin, Otto (2019)

„Magst du ein gutes Buch haben?“

Klar.

Und zack, streckte mir eine Freundin „Otto“ über den kleinen Kneipentisch entgegen. Ohne diese Intervention wäre ich wohl kaum zu Dana von Suffrins 2019 erschienen Debüt Roman gekommen, der charmant erzählten Familiengeschichte rund um den greisen, jüdischen Ingenieur Otto. „Ein unendlich schwerer Abschied von einem Menschen, den man schon sein ganzes Leben lang loswerden wollte“. Diese Buchrückenbeschreibung hätte wohl dazu geführt, dass ich das schmale Buch im Laden gelassen hätte, in Erwartung einer mir gerade zu bedrückenden Lektüre. Auch und gerade jenen, denen es ähnlich gehen könnte, möchte ich nun „Otto“ über einen imaginären Kneipentisch entgegen strecken.

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Emily Beyer

Astrid Rosenfeld, Adams Erbe (2013)

Adams Erbe erzählt, wie eine Person über drei Generationen seine Familie mit dem Erbe der eigenen Lebensgeschichte verändern kann. Die Geschichte spielt sowohl im zweiten Weltkrieg und im Berlin des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Sie erzählt von dem Zusammenhalt und der Zerrüttung einer Familie, der Suche nach Sinn und wie weit der Wunsch nach Liebe einen bringt. Der Roman ist gleichzeitig träumerisch, nüchtern und gnadenlos ehrlich geschrieben. Man kann ihn trotz seiner Tiefe sehr gut auch am Stück durchlesen. Definitiv das beste Buch, das ich dieses Jahr und eines der besten die ich überhaupt gelesen habe.

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Julika Griem

Patrick Wagner, Notgemeinschaften der Wissenschaft. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) in drei politischen Systemen, 1920-1973 von Patrick Wagner (2021)

Um die DFG werden wir heute im internationalen Vergleich oft beneidet. Auch deswegen lohnt sich, die heute etablierten Standards nationaler Wissenschaftsförderung als Resultat einer insgesamt 100-jährigen Geschichte zu sehen. Wagners Studie verfolgt ihre Entwicklung durch drei politische Regime und zeigt, wie aus einer „wohlmeinenden Autokratie“ „Selbstmobilisierung” nach einem Führerprinzip wurde, und wie sich nach dem Zweiten Weltkrieg das auch von der DFG verteidigte „Reservat der Ordinarien“ nur allmählich öffnete.

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Armin Flender

Peter Longerich, Antisemitismus. Eine deutsche Geschichte. Von der Aufklärung bis heute (2021)

 Angesichts wachsender antisemitischer Straftaten vergisst man, dass der Judenhass in Deutschland nie weg war. Wer sich über die Grundlagen des modernen Antisemitismus seit der Aufklärung in Deutschland, die Kontinuität und seine Wandlungsfähigkeit ein Bild verschaffen will, sollte das Buch von Peter Longerich lesen.

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Sabine Voßkamp

 ZO-O, Die Ecke (2021)

In diesem wunderbaren silent book für Menschen und Krähen jeglichen Alters lockt die koreanische Illustratorin ZO-O eine Krähe in eine leere Zimmerecke und schaut, was nun passiert. Was wird sie wohl brauchen? Und was meint die Pflanze dazu?

In this wonderful silent book for people and crows of all ages, Korean illustrator ZO-O lures a crow into an empty corner of a room to see what happens next. What will the bird need? And what does the plant think about it?

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Emily Doucet

Virginie Despentes, Vernon Subutex (3 volumes) (2015-2018)

The novels follow Vernon, an aging rock n’ roller and record shop owner, as he becomes increasingly disillusioned with, and dispossessed from, the Parisian music scene. Intimately following Vernon as he navigates the dissolution of his social world, the novels contemplate gentrification, countercultures, the creation of artistic community in unexpected places, and perhaps most of all, the transcendent quality of music. The novels were originally published in French but are also available in translation in English and German, depending on your reading language preference. I link to the first volume but the other two volumes are also available via these sites should people get caught up in Vernon’s tale as I did.

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Péter Makai

Richard Osman, The Thursday Murder Club (2021)

Written by the BBC’s quiz and game show producer Richard Osman, this tightly scripted, old-fashioned murder mystery is set in an upscale retirement village in Kent, where the community are avid amateur sleuths. Snappy dialogue, dry humour, and the sharp observations of the silver-haired set are coupled in a delightful summer beach read. Osman is careful to also give depth to the colourful cast of characters. This is a quintessentially English debut novel, classy and even class-conscious, and the fact that a sequel is due in September marks now as the best time to dive between its pages.

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Ricarda Menn

Tove Ditlevsen, The Copenhagen Trilogy (2021)

Originally published between 1967 and 1971, the Copenhagen Trilogy by Danish author Tove Ditlevsen was retranslated very recently, fostered by a resurgent interest in life narratives that playfully combine elements of autobiography with novelistic, fictional strategies. In the three parts of the Copenhagen Trilogy, we follow an authorial alter ego as she struggles to reconcile her literary ambitions with overcoming her social status and abusive relationships that ultimately engulf her in severe drug addiction. These books are densely narrated, showcasing a life course that is equally fascinating and appalling.

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Danilo Scholz

Sandrine Kott, Organiser Le Monde (2021)

While pundits and politicians are bracing their audiences for a new superpower conflict with China, recent works by historians shed light on what in the not-too-distant future might come to be called the first Cold War. The systemic rivalry between the United States and the Soviet Union that grew out of the rubble of World War II is generally portrayed as an era of – sometimes latent, sometimes deadly – confrontation. In her new book Organiser le monde, Sandrine Kott, a professor of contemporary history at the University of Geneva in Switzerland and New York University in the US, tells a different story about the Cold War. As Kott shows, the geopolitical showdown between capitalism and state socialism, far from fomenting only bitter hostility, ushered in a golden age of cooperation across the ideological divide. Behind the scenes of international organisations such as the UN, Moscow and Washington acted, if not in concert, then at least with an eye to the benefits of technical cooperation. Multilateralism thrived not despite, but because of the dualism that opposed the two bloc powers. The relative decline suffered by postwar international organisations in the wake of socialism’s demise only lends further weight to Kott’s strikingly original argument.

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Sage Anderson

Ross Gay, The Book of Delights (2019)

The title almost says it all, but what awaits between the covers is even more. In prismatic miniature essays, poet Ross Gay explores everyday delights with exceptional insight, humour, joy and an unflinching eye to the painful dimensions of lived experience – both universal and his own, as a black man in the United States. For an introduction and additional delights, check out this podcast episode from This American Life inspired by the book.

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Chiara Salari

Amitav Ghosh, Gun Island (2019)

The retelling of a Bengali legend sparks a journey that takes Deen, a rare book dealer based in Brooklyn, but Kolkata born, from the mangrove swamps of the Sundarbans, to a Los Angeles benighted by forest fires, to a gradually sinking Venice. In Amitav Ghosh’s last novel, strange coincidences and chance meetings blend with ancient myth, and the supernatural is set in a contemporary world disrupted by the constant migrations of humans and animals.

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Bécquer Seguin 

Michael Clune, A Defense of Judgement, University of Chicago Press, 2021.

In this surprising and engrossing book, Michael Clune argues that literature scholars should stop pretending that their discipline is value neutral and instead reclaim the central role of judgment in their research and teaching. He shows how truisms such as “art is subjective” or “everyone’s opinion about art is equal” are, in fact, pernicious pieties of commercial culture that undermine humanistic forms of knowledge. To challenge this false egalitarianism, Clune’s book reveals a compelling path for defending the role of literature faculties against the onslaught of austerity and securing a space for aesthetic understanding beyond the reach of market-based logics.

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SUGGESTED CITATION: Blogredaktion: Lesetipps für die Sommerpause. Reading Tips for the Summer Break, in: KWI-BLOG, [https://blog.kulturwissenschaften.de/lesetipps-fur-die-sommerpause/], 02.08.2021

DOI: https://doi.org/10.37189/kwi-blog/20210802-0830

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