Svenja Engelmann-KewitzKLIMA

Kryosphäre in der Krise

Kryosphäre in der Krise Gletscherschmelze und die letzte Erhabenheitserfahrung? Erschienen in: KLIMA Von: Svenja Engelmann-Kewitz

Von sterbenden Gletschern mit Rekordhochtemperaturen zur geringsten je gemessenen Menge an arktischem und antarktischem See- und Packeis1: Die Untersuchungen der Kryosphäre, damit sind Eis- und Schneeansammlungen im Klimasystem der Erde gemeint, liefern ununterbrochen neue Daten, um die globale Erwärmung messbar zu machen und düstere Zukunftsprognosen aufzustellen. Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart kommen hier zusammen: Bohrkerne liefern die Daten, um die Ära des Anthropozäns einzuläuten,2 und Spekulationen über das Klima der Zukunft kreisen um die Konsequenzen einer eisfreien Arktis.3

Abb. 1: „NASA Finds Thickest Parts of Arctic Ice Cap Melting Faster“, NASA Goddard Photo und Video, lizensiert unter CC BY 2.0 [https://openverse.org/image/f6ee4dbc-011a-4286-918d-a49ee075c228?q=melting%20ice]
Auch künstlerische und literarische Darstellungen nehmen sich dieser Fülle an Möglichkeiten und der Frage, wie man sich mit der Gegenwart der sich unabdingbar ändernden Kryosphäre auseinandersetzen kann, an, so zum Beispiel Roni Horns 2007 begonnene Vatnasafn/Library of Water.4 Während berühmte Darstellungen wie Caspar David Friedrichs Das Eismeer (1823/1824) die Fragilität des Menschen anhand von mächtigen und sublimen Eisflächen zeigen,5 kehrt Horns Projekt über die Gletscher in Island dieses Verhältnis förmlich um, indem Gletschereis langsam vor den Augen der Besucher:innen schmilzt und auf die Fragilität der Gletscher selbst hinweist. Die Eisflächen der Kryosphäre werden aber auch außerhalb solcher Installationen zu einem langsam schwindenden Reservoir von dem, was als ‚Erhabenes‘ oder ‚Sublimes‘ seinen festen Platz in der kulturellen Imagination hat.6

Abb. 2: Caspar David Friedrich, „Das Eismeer“, Hamburger Kunsthalle, Bild via Wikimedia Commons: CC BY 2.0 [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Caspar_David_Friedrich_-_Das_Eismeer_-_Hamburger_Kunsthalle.jpg]
Abb. 3: Glacier Remnants of Okjökull, Pierre Markuse, 6. September 2022, CC BY 2.0 [https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=131157074]
Gleichzeitig entfalten sich kuriose Phänomene, die die Klimakrise und das Schwinden nicht zum Anlass für zukunftsgerichtetes Handeln nehmen, sondern Nostalgie in den Fokus stellen: Der Verlust der sublimen Natur wird betrauert, eine Zeit vor der Krise wird herbeigesehnt. Dadurch werden jedoch Möglichkeiten und Maßnahmen, Auswirkungen der Globalen Erwärmung einzudämmen und einzuschreiten, außen vor gelassen. Darunter fallen Glacier Funerals7, die, zum Beispiel am Ok, ehemals Okjökull, in Island, die Überreste des Gletschers mit einer Sterbeurkunde ausstatten, und Last Chance Tourism8, der es einigen wenigen privilegierten Personen als Tourist:innen oder Extremsportler:innen ermöglicht, zu den letzten zu gehören, die die Eismassen des Planeten in situ bewundern können. Dabei gilt umso mehr: „für die meisten von uns, die nicht einfach 5000 Euro und mehr für eine Kreuzfahrt in die Diskobucht oder die Antarktis hinblättern können, wird die Zeit knapp, um Eis und Schnee selbst zu erleben“, beschreibt es Bjørn Vassnes in Im Reich des Frosts.9 Durch die Klimakrise sind Gletscher, Eisberge, Eisschollen und schneebedeckte Gipfel in der Literatur nicht mehr nur Schauplatz für das menschliche Drama, sondern rücken als Ausdruck eines ökologischen, sozialen, psychischen oder moralischen Problems als Akteur in das Zentrum des Geschehens. Über Akteur-Netzwerk-Theorien10 etwa gelangen sie nicht zuletzt auch in den Fokus von kulturwissenschaftlichen Untersuchungen.11 Eis wird nicht mehr nur zum Hintergrund des menschlichen Handelns, sondern unabdingbar mit dem Menschen verknüpft – sowohl als Betroffener der Globalen Erwärmung und der entsprechenden Konsequenzen, die sowohl Mensch und Natur schaden, als auch als Medium, das die Erwärmung wie kein zweites sichtbar macht und durch das rapide Schmelzen Klimawandeldiskurse antreibt.

Indem die Eismassen selbst mit eigener Agency gelesen und repräsentiert werden, offenbaren sich Brüche und Kontinuitäten in den Auseinandersetzungen mit den großen historischen Polarfahrten, in denen die Eismassen vor allem als Hintergrund für menschliche Extremleistungen dienten. In Christoph Ransmayrs Die Schrecken des Eises und der Finsternis (1984) spiegelt die leere weiße Seite noch die leere Eisfläche, die gleichsam Anziehung und Faszination ausübt. Ransmayr bezieht sich in seinem Werk, das als Hybrid zwischen historischen Quellen und einem fiktiven Nachfahren eines Expeditionsmitglieds fungiert, auf die österreichisch-ungarische Polarexpedition von Payer und Weyprecht, die u.a. die damalige Theorie eines eisfreien Polarmeers widerlegte – was 2030 durchaus Realität sein könnte.12 Die Auseinandersetzung mit den meist männlichen, heroisch-legendenhaften Polarfahrern, die durch ihre Berichte und Überlieferungen bedeutend zu den sublimen Vorstellungen von den eisigen Einsamkeiten der Kryosphäre beitrugen, wirkt auch in der Kryosphäre in der Gegenwart – und damit in der Krise – fort.

Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass es auch nach der abgeschlossenen Kartographierung, Vermessung und ‚Entdeckung‘ der letzten polaren Gebiete und eisigsten Gipfel der Erde noch immer weitere Rekorde aufzustellen gäbe, die sich nun umkehren dazu, nicht mehr die:der Erste, sondern die:der Letzte gewesen zu sein. Was als Cli-Fi, Nature Writing oder Speculative Fiction in verschiedenen Theorien von Ecocriticism und Environmental Humanities13 kategorisiert wird, zeigt sich in der Kryosphäre insbesondere als eine Art Neuauflage bekannter Formen wie dem literarischen Reisebericht. Anstatt einer Überwältigung angesichts der Erhabenheit und Fülle der Eismassen wie noch bei Ransmayr zeigt sich in den gegenwärtigen (literarischen) Reisen in die eisigen Gebiete eine Überwältigung vor der Fragilität dieser einstmals erhabenen Eisflächen.

Während in Christiane Ritters Eine Frau erlebt die Polarnacht (1938) die Einsamkeit der imposanten, menschenleeren Natur auf der arktischen Insel Spitzbergen überwältigend und mächtig wirkt, gibt es in Ilija Trojanows EisTau (2011) in der Antarktis keine solche Einsamkeit mehr, stattdessen Einfalt, Leere und Massentourismus. Der Protagonist, Glaziologe Zeno Hintermaier, verfällt in Verzweiflung angesichts seiner gefährdeten Forschungsobjekte, er erträgt

[…] den Anblick von lebenden Gletschern nicht mehr. Das war eine Lüge, sie wußten es, ich liebte Eis, weiterhin, verändert war jedoch meine Sicht, schaute ich früher auf einen Gletscher, sah ich Geschichte und Wandlung, Fülle und Bestand, jetzt starren mir Fratzen entgegen, das übrig gebliebene Eis war zu einem Spiegel unserer groben Fahrlässigkeit geworden.14

Grobe Fahrlässigkeit, die hier, genau wie Horns Projekt, die menschliche Zerstörung des Eises thematisiert, kreidet auch der isländische Schriftsteller Andri Snær Magnason in Wasser und Zeit (2019) an. Dabei kritisiert er vor allem die Art und Weise, wie über ein solch umfassendes Thema wie den Klimawandel anhand der einst erhabenen Eismassen gesprochen und geschrieben wird:

Bei Themen, die das gesamte Wasser auf der Erde, die gesamte Erdoberfläche und die gesamte Atmosphäre betreffen, erreicht man eine Dimension, die jegliche Bedeutung aufsaugt. Über ein solches Thema kann man nur schreiben, wenn man dahinter, daneben und darunter schaut, in die Vergangenheit und die Zukunft blickt, sich ihm persönlich, aber auch wissenschaftlich annähert und die Sprache der Mythologie benutzt. Ich muss über die Dinge schreiben, indem ich nicht über sie schreibe. Ich muss rückwärtsgehen, um vorwärtszukommen.15

Die Süddeutsche Zeitung preist Magnasons Werk und dessen „neue Wörter für den Klimawandel“.16 Der Blick auf die literarischen Vorläufer Magnasons, sowohl im Bereich der Fiktion als auch in der Non-Fiction, zeigt jedoch, wie auch Magnason zugibt, dass es sich dabei gar nicht so sehr um neue Wörter und neue Formen von Environmental Writing handelt. Magnason wendet sich nämlich, wie auch Ritter, Trojanow und Ransmayr, der Bildersprache des Erhabenen zu. Dies zeigt er, als er Texte des isländischen Dichters Helgi Valtýsson liest:

Die Möglichkeit, dass die Natur höher und erhabener, jenseits des Definierbaren, ja sogar ‚heilig‘ sein könnte, war in unserer Zeit kein akzeptables Argument. Helgi war ein freier Mensch, er sprach nicht von Tourismus, Arbeitsplätzen und Exporteinnahmen. Er durfte schreiben, was er wollte: über Schönheit, Natur und das Erhabene.17

Magnason wird aufgrund der geografischen Nähe zu den Gletschern in Island als Experte gelesen, ähnlich wie der nordnorwegische Journalist Vassnes. Vassnes und Magnason geben ihren Texten dadurch Authentizität und Legitimität, dass sie sich selbst vor Ort befanden/befinden – während Magnason die wegschmelzenden Ausblicke seiner Kindheit beobachtet, sieht Vassnes vor allem, wie sich die Landschaft in Kautokeino, wo er seine Kindheit verbrachte, radikal verändert. Allein durch die Nähe zum Objekt zum Experten zu werden, erinnert dabei sehr an die historischen, heroisierten Vorgänger:

Like polar explorers and holy ascetics, by setting themselves apart from the world through their ascent of high mountain summits, or by reaching the polar ends of the earth, entire generations of natural scientists gained a degree of authority simply from the location of their field activities.18

Nur dass es sich bei Magnason und Vassnes eben um Schriftsteller handelt, deren „field activities“ sich mit denen von den Naturwissenschaftler:innen überschneiden. Während Magnason beispielsweise als Experte für den Klimawandel gelesen wird, müssen andere Stimmen jedoch noch um diesen „degree of authority“ kämpfen. Allein in dem Gebiet der Kryosphäre, das als zirkumpolarer Norden verstanden wird, leben ca. 13.1 Millionen Menschen, darunter mehr als 40 verschiedene Indigene Völker.19 Indigenes Wissen und Perspektiven werden jedoch sowohl in Naturwissenschaft als auch in Literatur und kulturwissenschaftlicher Auseinandersetzung marginalisiert. Dabei sind dies nicht nur wichtige Stimmen, die heroischen Verklärungen der Polarforscher des 19. und 20. Jahrhunderts kritisch hinterfragen und in koloniale Diskurse einordnen, sondern die auch die andauernden Konsequenzen ebenjener kolonial ermöglichten Gewalt gegen Menschen und Erde thematisieren.20

In der Kryosphäre wird auch die Verlinkung von sozialer und ökologischer Krise sicht- und messbar.21 Es finden sich gespeicherte Abgase, Mikroplastik22 und chemische Toxine, darunter Persistent Organic Pollutants (POPs)23, die, eingesetzt in der Landwirtschaft, in den Wasserkreislauf gelangen und sich schlussendlich an den Polen ablagern und akkumulieren. Dort gelangen sie in den Nahrungskreislauf – über Krill und Kleinstlebewesen zu Meeressäugetieren, deren Fettschicht einen idealen Speicherplatz für POPs bietet, die wiederum eine wichtige und oft einzige Nahrungsquelle für Inuit in Nordkanada bilden und so für gesundheitliche Probleme wie Krebserkrankungen sorgen. Phänomene wie die POPs zeigen die notwendigen neuen Maßstäbe von Skalierungen für die Darstellbarkeit der Krisen der Kryosphäre auch außerhalb der eisigen Höhen- und Breitengrade, indem Ursachen und Auswirkungen auf globaler und planetarer Ebene sowie auf lokaler Ebene gleichzeitig verortbar werden.14 Sheila Watt-Cloutier thematisiert diesen Aspekt der Klimakrise und dessen unmittelbare Auswirkung auf ihre Community u.a. in ihren Memoiren The Right to be Cold (2015).25 Lana Hansen zeigt in Sila – A Fable for Climate Change (2009),26 wie mündliche Überlieferungen von Legenden, Wissen, und Geschichte auf die Klimakrise übertragen werden können und bietet somit der in westlichen, akademischen Kreisen diskutierten „imaginative crisis that underlies environmental crises“27 eine Alternative.

Darauf nimmt Timothy Baker literaturtheoretisch Bezug. Er betont die Wichtigkeit von kleinen Formen wie Konstellationen und Fragmentationen,28 bei denen wie bei Watt-Cloutier und Hansen Fiktion, Memoir, Lyrik und Lied im Fokus stehen – als Formen, die in Ecocriticism-Diskurs gegenüber Cli-Fi beispielsweise nur eine kleine Rolle spielen, denn „a gleaned or collected series of fragments is the best way to balance individual and planetary scales“.29 Dieses Zusammensammeln von Geschichten und Texten „provides a path to recognizing our entanglement with the world and creating company“.30

Gleaning, also das Sammeln und Kombinieren von unterschiedlichen Texten und Textformen, ist eine gute Strategie, um Verbindungen zwischen Mensch und Umwelt sichtbar zu machen und nachzuvollziehen, wie nuanciert sich die Krise auf Mensch-Natur-Verhältnisse auswirkt. Einzelne Texte werden so in einen größeren Zusammenhang gerückt, aktualisiert, revidiert und erlauben neue Lektüreerfahrungen. Noch besser, um Entanglement zu zeigen und damit auch kollektive Verantwortung sichtbar zu machen, ist es aber, nicht nur westliche Standpunkte in den Fokus zu rücken, wie es zum Beispiel die von Subhankar Banerjee herausgegebene Anthologie Arctic Voices: Resistance at the Tipping Point vormacht.31 Denn die Vielfalt der Literatur der Kryosphäre zeigt auch in Zeiten der vor allem dort so sicht- und messbaren Erderwärmung: Von der Erhabenheit, Faszination und Anziehung haben die Eisflächen der Kryosphäre bislang wenig eingebüßt. Die Frage ist nur, wie lange dies noch so bleibt. Eine aktuell vielleicht noch dringendere Frage ist, wer darüber spricht, wem man zuhört und Raum im Diskurs gibt, damit Literary und Environmental Justice genauso sichtbar werden wie die Krise, die diese Diskurse mobilisiert.

References

  1. Readfearn, Graham (2023): Antarctic sea ice shrinks to lowest annual maximum level on record, data shows, in: The Guardian [https://www.theguardian.com/world/2023/sep/26/antarctic-sea-ice-shrinks-to-lowest-annual-maximum-level-on-record-data-shows ], 26/09/2023 (letzter Zugriff: 20.10.2023).
  2. Frazar, Heather (2009): Core Matters. Greenland, Denver and the GISP2 Ice Core, in: Veronica Della Dora und Dennis Cosgrove (Hrsg.): High Places. Cultural Geographies of Mountains, Ice and Science, London/New York: I.B. Tauris, S. 66.
  3. Avango, Dag, Annika E Nilsson und Peder Roberts (2013): Assessing Arctic Futures: Voices, Resources and Governance, in: The Polar Journal, Bd. 3, Heft 2, S. 431–446, https://doi.org/10.1080/2154896X.2013.790197.
  4. Vatnasafn/Library of Water, in: Artangel [https://www.artangel.org.uk/project/library-of-water/] (letzter Zugriff: 23.10.2023). Auch in Deutschland gibt es solche Projekte, z.B. die Ausstellung „Ewiges Eis“, die bis Februar 2023 im Sinclair Haus der Stiftung Kunst und Natur zu sehen war [https://kunst-und-natur.de/museum-sinclair-haus/ausstellungen/eis] (letzter Zugriff: 23.10.2023).
  5. Monica Bonvicinis Installation Hun ligger/She lies greift Das Eismeer explizit auf, indem das Schiff aus dem Bild als Skulptur im Oslofjord ausgestellt wird. Wie ein Eisberg, der durch Globale Erwärmung aus der Arktis herausdriftet, scheint die Skulptur aus dem Bild und der Arktis herausgedriftet zu sein und rückt das Gemälde und dessen romantische Tradition somit unmittelbar in Klimawandeldiskurse, [https://monicabonvicini.net/she-lies-2/]; [https://artwork.earth/#59.907639,10.753224,marker2086] (letzter Zugriff: 08.11.2023). Laura M. Reiling sei herzlich für diesen Hinweis gedankt!
  6. Siehe hierzu z.B. Kant, Immanuel (1790): Kritik der Urteilskraft, Zweites Buch: Analytik des Erhabenen, in: Projekt Gutenberg [https://www.projekt-gutenberg.org/kant/kuk/kukp231.html] (letzter Zugriff: 23.10.2023).
  7. Zachary Provant und Mark Carey vom Glacier Lab der University of Oregon thematisieren die kritischen Dimensionen der Glacier Funerals u.a. hier: Provant, Zachary und Mark Carey (2022): Who is Killing the Glaciers? From Glacier Funerals to Glacier Autopsies, in: Edge Effects [https://edgeeffects.net/glacier-funerals/], 03/11/2022 (letzter Zugriff: 23.10.2023).
  8. Lemelin, Harvey, Jackie Dawson und Emma J. Stewart (Hrsg., 2012): Last Chance Tourism. Adapting Tourism Opportunities in a Changing World, London/New York: Routledge, https://doi.org/10.4324/9780203828939.
  9. Vassnes, Bjørn (2019): Im Reich des Frosts: die faszinierende Welt von Gletschern, Schnee und ewigem Eis. Übers. von Günther Frauenlob u. Frank Zuber, München: dtv, S. 11.
  10. Dazu zählt zum Beispiel Latour, Bruno (2007): Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp. Die ANT zeigt sich in der Kryosphäre, indem Gletscher und Eisberge eine tragende Rolle im Text oder in geisteswissenschaftlichen Studien zukommt. Dazu zählen z.B. Cruikshank, Julie (2015): Do Glaciers Listen? Local Knowledge, Colonial Encounters, and Social Imagination, Vancouver/Toronto: UBC Press; Leane, Elizabeth (2022): Cryonarratives for Warming Times: Icebergs as Planetary Travellers, in: Klaus Dodds u. Sverker Sörlin (Hrsg.): Ice Humanities: Living, Working and Thinking in a Melting World, Manchester: Manchester University Press, S. 250–265: hier werden Eisberge als Akteure gelesen, die sich außerhalb ihrer zugeschriebenen Zonen bewegen können.
  11. Mayer, Sylvia (2015): Klimawandelroman, in: Gabriele Dürbeck und Urte Stobbe (Hrsg.): Ecocriticism, Köln: Böhlau, S. 234, https://doi.org/10.7788/9783412502393-017.
  12. Sörlin, Sverker und Julia Lajus (2013): An Ice-Free Arctic Sea? The Science of Sea Ice and Its Interests, in: Miyase Christensen Annika E. Nilsson und Nina Wormbs (Hrsg.): Media and the Politics of Arctic Climate Change. When the Ice Breaks, New York: Palgrave Macmillan, S. 70–92, https://doi.org/10.1057/9781137266231_4.
  13. Darunter finden sich nicht nur Strömungen innerhalb der Literaturwissenschaft, wie z.B. Econarratology (siehe hier z.B. James, Erin u. Eric Morel [Hrsg., 2020]: Environment and Narrative. New Directions in Econarratology, Columbus: Ohio State University Press), sondern auch größere Bewegungen wie die Blue Humanities (siehe z.B. Oppermann, Serpil [2023]: Blue Humanities. Storied Waterscapes in the Anthropocene, Cambridge: Cambridge University Press).
  14. Trojanow, Ilija (2011): EisTau, München: Hanser, S. 98.
  15. Magnason, Andri Snær (2020): Wasser und Zeit: Eine Geschichte unserer Zukunft. Übers. von Tina Flecken, Berlin: Insel Verlag, S. 12.
  16. Rühle, Alex (2020): Neue Wörter, in: Süddeutsche Zeitung Online [https://www.sueddeutsche.de/kultur/klimawandel-buch-neue-woerter-1.4973123], 20/07/2020 (letzter Zugriff: 23.10.2023).
  17. Magnason 2020, S. 54–55.
  18. Cosgrove, Denis u. Veronica della Dora (2009): Introduction, in: dies. (Hrsg.): High Places. Cultural Geographies of Mountains, Ice and Science, International Library of Human Geography, Bd. 15, London/New York: I.B. Tauris, S. 12, https://doi.org/10.5040/9780755620357.ch-001.
  19. Arctic Centre, University of Lapland: Arctic Indigenous Peoples [https://www.arcticcentre.org/EN/arcticregion/Arctic-Indigenous-Peoples] (letzter Zugriff: 23.10.2023).
  20. Dies wird zum Beispiel auch in der Sámi-Ausstellung „Luondo Luonddus – As Part of Nature We are Nature“ thematisiert, die vom 07.10.2022 bis zum 15.01.2023 in den Nordischen Botschaften Berlin zu sehen war, Landbrecht, Christina u. Irene Snarby (Hrsg., 2022): Luondo Luonddus – As Part of Nature, We Are Nature, in: Nordische Botschaften [https://www.nordischebotschaften.org/sites/default/files/LuonduLuondus_Booklet_Digital.pdf] (letzter Zugriff: 23.10.2023) . Auch die aktuellen Protestaktionen von Sámi vor dem norwegischen Parlament in Oslo aufgrund der Konflikte um die Vergabe von Lizenzen für einen Windpark auf Weideland von Sámi Rentierhalter:innen thematisieren dies, hier z.B. nachzulesen: Fouche, Gwladys (2023): Sami activist sets up camp outside Norway parliament to protest wind turbines, in: Reuters [https://www.reuters.com/world/europe/sami-activist-sets-up-camp-outside-norway-parliament-protest-wind-turbines-2023-09-11/], 11/09/2023 (letzter Zugriff: 23.10.2023) und: Sámiráđđi – the Sámi Council (2023): The Saami Council supports the Fosen protests in Oslo, in: Sámi Council.net [https://www.saamicouncil.net/news-archive/the-saami-council-supports-the-fosen-protests-in-oslo], 14/10/2023 (letzter Zugriff: 23.10.2023).
  21. Max Liboiron macht die Verschränkung von (Neo-)kolonialismus und Umweltverschmutzung deutlich und erzählt in Fallstudien von der überdurchschnittlichen Betroffenheit von BIPOC Communities durch Umweltverschmutzung: Liboiron, Max (2021): Pollution is Colonialism, Durham: Duke University Press, https://doi.org/10.1515/9781478021445.
  22. Davis, Heather (2022): Plastic Matter, Durham: Duke University Press, S. 1–14.
  23. Crinnion, Walter J. (2011): Polychlorinated Biphenyls: Persistent Pollutants with Immunological, Neurological, and Endocrinological Consequences, in: Alternative Medicine Review: A Journal of Clinical Therapeutic, Bd. 16, Heft 1, S. 5–13.
  24. Clark, Timothy (2015): Ecocriticism on the Edge. The Anthropocene as a Threshold Concept, London: Bloomsbury; sowie Clark, Timothy (2012): Scale, Scalability, in: Tom Cohen (Hrsg.): Telemorphosis. Theory in the Era of Climate Change, Ann Arbor: University of Michigan Press, S. 148–166.
  25. Watt-Cloutier summiert in ihren Memoiren ihre zahlreichen Aktivitäten, unter anderem als Vorsitz des Circumpolar Councils, und ihre Herausforderungen als Inuk in einer westlich dominierten Welt. Sie hat dabei beispielsweise bewirkt, dass 142 Länder einen Bann zur Verwendung von POPs unterzeichnet haben und zahlreiche Rechte für Inuit und andere Indigene Völker der Arktis auf die Agenda der arktischen Anrainerstaaten und der UN gesetzt. Für ihre Arbeit rund um Klima- und Völkerschutz war sie 2007 für den Friedensnobelpreis nominiert, der allerdings an Al Gore ging.
  26. Hansen, Lana (2009): Sila, a fable about climate change, Nuuk: Milik.
  27. Bartosch, Roman (2013): EnvironMentality: Ecocriticism and the Event of Postcolonial Fiction, Amsterdam/New York: Rodopi, S. 49, https://doi.org/10.1163/9789401209342.
  28. Baker, Timothy C. (2022): New Forms of Environmental Writing: Gleaning and Fragmentation, London: Bloomsbury Academic, S. 14, https://doi.org/10.5040/9781350271340.
  29. Ebd., S. 14.
  30. Ebd., S. 193.
  31. Banerjee, Subhankar (Hrsg., 2013): Arctic Voices. Resistance at the Tipping Point, New York: Seven Stories Press.

SUGGESTED CITATION: Engelmann-Kewitz, Svenja: Kryosphäre in der Krise. Gletscherschmelze und die letzte Erhabenheitserfahrung?, in: KWI-BLOG, [https://blog.kulturwissenschaften.de/kryosphare-in-der-krise/], 18.12.2023

DOI: https://doi.org/10.37189/kwi-blog/20231218-0800

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