Eine Handschrift als Wahrheitsding
Ordnen als wahrheitsstiftende Praktik
Dinge in eine Ordnung zu bringen, ist Teil unseres Alltags, seien es die nach Themen geordneten Bücher in unseren Schränken, die nach Farbe, Größe oder Einsatzzweck geordnete Stiftauswahl am Schreibtisch oder eine gewissenhaft arrangierte Ausstellung im Museum. In all diesen Fällen beugt sich das einzelne Objekt dem höheren Ordnungsschema und jedes Objekt kann wiederum Teil unterschiedlicher Anordnungen sein – je nach Interesse der Ordnenden. Besonders im Falle der Museumsausstellung ist einleuchtend, dass das Arrangement von Objekten der Vergangenheit mit einem bestimmten Vermittlungsinteresse verbunden ist – es wird eingebunden in das Narrativ der Ausstellung und so auch zu einem Mittel ihrer Wahrheitsproduktion.
Was mit Objekten geht, geht (nicht nur) im Mittelalter auch mit Texten. Wesentlich ist dies dort, wo Dichter ihre Lieder selbst in einer bestimmten Weise ordnen, um deren Inhalte für ihr lesendes oder hörendes Publikum glaubhaft zu machen. Auch dieser Ordnung wohnt das Potenzial inne, ein Narrativ zu erzeugen und damit eine vom Dichter zusammengestellte Wahrheit durch planvolle Anordnung von Texten zu präsentieren. Von Bedeutung ist das in der langen Tradition antijüdischer1 Stereotype, die seit der Antike bis in das Spätmittelalter und darüber hinaus immer wieder in Stellung gebracht werden. Michel Beheim nimmt dabei eine besondere Rolle als Versifikator laientheologischer Adversus-Judaeos-Literatur ein. Er überführt damit bereits bestehende Narrative zunächst in eine sangbare Form, um sein Publikum von ihrer Gültigkeit zu überzeugen. Er ist damit Teil einer bis in die Gegenwart anhaltenden antijüdischen Tradition, deren Wurzeln und Vermittlungsstrategien bereits im Mittelalter zu finden sind.2
Man unterstellte dem Sangspruchdichter Michel Beheim (1420–1470er) lange besondere Kunstlosigkeit. Doch Burghart Wachinger stellt 1979 darüber hinaus fest:
Ungewöhnlich ist die Sorgfalt, mit der Beheim die Lieder innerhalb der Töne so arrangiert, daß der Ton als ganzer als eine Art von literarischer Einheit mit eigenem planvollem Aufbau erscheint.3
Beheim arrangiert seine Lieder sorgfältig unter die von ihm erfundenen Töne. Dabei ist dem einzelnen Lied die sinnstiftende Ordnung nicht fest eingeschrieben. Vielmehr bedarf es des Eingriffs des Dichters. Er unterwirft seine Lieder seinen eigenen Ordnungen, die zur literarischen Einheit werden. Um es mit den Mediävistinnen Fuhrmann und Selmayr und im Anschluss an Foucaults Ordnung der Dinge zu sagen:
Eine Ordnung scheint einem Ding oder Sachverhalt nicht inhärent, sondern sie wird aktiv durch intentionale Zusammensetzung verschiedener Elemente gebildet. Jede mögliche Kombination der Elemente verfolgt dabei einen eigenen Zweck und wirkt darin nicht selten auf Erleben wie auch Verstehen der uns umgebenden Welt ein.4
Im Hinblick auf ‚Wahrheitsdinge‘ bedeutet das „Verstehen der uns umgebenden Welt“ vor allem, dass mittels dieser Dinge und ihrer Ordnung eine bestimmte Wahrheit erzeugt wird, die zum Verstehen der Welt beiträgt. Beheim versucht demnach, durch die gezielte Zusammenstellung seiner Lieder je ein bestimmtes Narrativ als Wahrheit zu etablieren und physisch im Buch festzuschreiben.
Zwischen Stimme und Schrift: Ein besonderer Überlieferungsfall
Ein prägnantes Beispiel für solche Festschreibungen sind die Texte des Webersohns Michel Beheim aus Sülzbach bei Weinsberg. Im Dienst des Reichserbkämmerers Konrad IX. von Weinsberg avancierte er zum Hofsänger. Später diente er an verschiedenen Höfen Europas. Ein Großteil der Überlieferung ist autograph, also vom Dichter selbst geschrieben und arrangiert. Aus dieser Praxis entstanden drei große Sammelhandschriften, die heute in Heidelberg (cpg 312, cpg 334) und München (cgm 291) aufbewahrt werden. Die autographe Überlieferung von über 450 Liedern eines spätmittelalterlichen Dichters, zumal mit erhaltenen Tönen ist einzigartig. Denn er war nicht nur Autor, sondern auch Sänger seiner Texte. Den Gesang und das Erfinden neuer Töne stellte er in seinem Schaffen besonders heraus.5 Der Sangspruch vereinte Melodie (wîse), metrischen Aufbau (dôn) und Text (wort) zum Lied.6

Für seine Lieder griff Beheim auf weit verbreitete Prosatexte zurück: Er brachte geistliche Literatur, Bibelpassagen und anderes mehr in eine sangbare Form. Zwar orientierte er sich eng an seinen Vorlagen, doch unterwarf er die Ausgangstexte den Anforderungen seines Gesangsvortrags. Häufig waren die Änderungen gegenüber seinen Vorlagen subtil und umfassten nur wenige Worte. Wie bewusst sich Beheim des Charakters seiner Lieder zwischen Lesen und Singen war, zeigt die Überlieferung in einer Formel, die sich mehrfach in Beheims Zeugnissen findet: „[…] daz man es lesen mag als ain geremptes puch oder singen als ein lied“7. Diese ausdrückliche Differenzierung der Rezeptionsmöglichkeiten mahnt dazu, auch kleine Änderungen ernst zu nehmen.
Stabile Ordnung, bewegliche Form, oder: wie aus den getiht ein püchlin wurde
Ich möchte in diesem Blogbeitrag besonders Beheims Liederzyklen gegen die Juden in den Blick nehmen, denn an ihnen lässt sich zeigen, wie aus einer sängerischen Ordnung von Liederzyklen eine christliche Wahrheitsordnung wird, die antijüdische Stereotype nicht nur perpetuiert, sondern sie durch einen neuen Kontext noch zuspitzt. In allen drei Sammelhandschriften sind diese Zyklen in fast identischer Ordnung überliefert und in der sog. Verkehrten Weise8 gedichtet. Der Name des Tons ist Programm, adressieren die in ihm überlieferten Lieder doch Todsünden, Häresie, Herrscherschelte und eben den jüdischen Glauben – also Gegenstände, die im Rahmen der christlichen Wahrheitsordnung der Vormoderne ‚Verkehrtes‘ thematisieren. Das sorgfältige Arrangement wird gerade an diesem Beispiel gut sichtbar: Anordnung und Inhalt der drei großen Handschriften variieren teilweise erheblich. Der stets gemeinsam überlieferte Verbund aus dem ‚Büchlein über die Todsünden‘, dem ‚Büchlein von den Juden‘ und den ‚Contra-Iudaeos‘-Liedern bleibt hingegen beinahe unverändert. Alle Teile beruhen auf geistlicher Prosa: Heinrichs von Langenstein Erchantnuzz der sund war die Vorlage für das ‚Büchlein über die Todsünden‘, das ‚Büchlein von den Juden‘ ist eine Adaption von Irmhart Ösers Epistel des Rabbi Samuel9 und die ‚Contra-Iudaeos‘-Lieder stammen aus dem Traktat von der juden jrrsal des Österreichischen Bibelübersetzers wie auch die anschließenden Häresielieder.10 Es verwundert, dass bei aller Fluktuation der Lieder Beheims jene Liederzyklen bemerkenswert stabil in ihrer Abfolge und ihrem Inhalt bleiben.
Entgegen der hier gewählten Bezeichnungen kündigt der Dichter in seinen Sammelhandschriften allerdings zunächst gar keine Bücher an.11 Lediglich auf den zweiten Blick gibt es Indizien für eine Einheit, die der Buchkonzeption nahe kommt, z.B. Zählungen (diese erst, von erst), einer Anrufung Marias, um ein puchlin zu erstellen oder einer roten Unterschrift in der Handschrift cpg 312: also haben die geticht von den siben todsunden ein end.12
In cpg 312 finden sich zwei Marginalien. Auf Blatt 103v steht: dis puchlins von den totsunden sein xxxvi Capitel und getiht ch xxviii.13 Nach den antijüdischen Liederzyklen schreibt dieselbe Hand am unteren Blattrand von Blatt 121v: dez buches von d den iüden sein xxxi Capitel vnd getiht vnd xxiixx pleter.14 Der Marginalienschreiber denkt Ösers ursprünglich laientheologische Gebrauchsliteratur,15 den agitativen Traktat, gegen den Talmud und die Häresielieder des Bibelübersetzers als Einheit und kündigt ihre Ordnung als neue Buchkomposition an.


Wahrheit durch Ordnung schaffen I: Die Teilhandschrift D (cpg 382)
Dass es sich um Beheims Entscheidung handelt, untermauert die Feststellung, dass cpg 312, die Marginalien und die letzte Handschrift des Dichters (cpg 382) demselben Schreiber zuzuordnen sind – Beheim selbst. Dagmar Kratochwill konnte 1977 aufzeigen, wie sich Beheims Schrift durch seine Schaffensphasen wandelte.16 Er arrangierte demnach dasselbe Material zu unterschiedlichen Zeitpunkten neu. Zeugnis dieses Arbeitsprozesses sind die genannten Marginalien, ihr Ergebnis hingegen ist das Objekt cpg 382.

Die Handschrift (1470er-Jahre) soll direkt an Pfalzgraf Friedrich I. von der Pfalz gegangen sein und doch wirkt sie unfertig.17 Die verkerte weis ist nur durch die leeren Notenlinien erahnbar, Korrekturen per Durchstreichung, rote Lombarden und Markierungen (Auf-/Abgesänge) intermittierend. Ist das eines Auftraggebers würdig, dem Beheim auch eine Reimchronik (cpg 335) widmete?
Vor allem die Zusammenstellung der Texte ist bemerkenswert: Beheim löst das Ensemble aus Liedern über Todsünden, Juden, den Talmud und Häretiker aus seinen Sammelhandschriften heraus und arrangiert sie im Codex cpg 382 neu. Dort entsteht eine thematische Bündelung und – durch die Alleinstellung gerade dieses Ensembles – eine Zuspitzung. Beheim exzerpiert seine bereits gedichteten Lieder aus cpg 312. Doch übernimmt er sie nicht einfach, sondern arrangiert sie unter einer neuen Prämisse – der angekündigten Ordnung als aufeinander bezogene Bücher. In seinem neuen Objekt spricht er konsequent von einem buchlin sagt von den siben tat sunden und von einem buch von den juden.18 Anstelle eines Verbunds mehrerer Zyklen denkt er die Kombination seiner gegen Juden und Ketzer gerichteten Lieder als ‚Beheimsches‘ Buch.
Die Stoßrichtung dieser neuen Anordnung ist antijüdisch, mit deutlicher Zuspitzung in cpg 382. Hierzu passt Beheim auch die Anordnung der Todsünden an, die ursprünglich lautete: Hoffart (superbia), Neid (invidia), Zorn (ira), Trägheit (acedia), Unmäßigkeit (gula), Unkeuschheit (luxuria), Geiz (avaritia). Er begründet seine Neuordnung in einem einzigartigen Abschlusslied (der besluss uber dis buch):
Hÿ hon ich michahel beham
dy siben tot sund alle sam
näch ainander geseczt mit nam
nach den glidern dez menschen19
In der neuen Anordnung werden die Todsünden einzelnen Körperteilen zugeschrieben: Hoffart im Haar, Neid in den Augen, Zorn im Mund aus Neid geboren, Trägheit durch mangelnden Gottesdienst im Rücken, Unmäßigkeit im Bauch. Die unkeusche Wollust hingegen stinkt und liegt im Schambereich. Abschließend setzt der Dichter den Geiz zu den Füßen des Menschen, der meint, er werde ewig in der irdischen Welt verweilen. Wo sich zwar eine Anspielung an Paulus‘ corpus peccati (Körper der Sünde) aus Römer 6,620 vermuten lässt, bleibt uns eine Vorlage verborgen. Die Visualisierungstechnik, die dem aus Todsünden geformten menschlichen Körper eingeschrieben wird, sollte Laien das sündige Leben vor Augen stellen.21
Und doch geht die wahrheitsstiftende Ordnung weiter. Denn die Neuordnung und Visualisierung eines menschlichen Körpers, bestehend aus Todsünden, manifestiert sich gerade im Objekt der isolierten Überlieferung der Liederzyklen. Als Büchlein treten nun Todsünden und Lieder gegen die Juden nebeneinander, der Sündenkörper wird zum Bindeglied, das sich einzig in der Handschrift cpg 382 Bahn brechen kann – als neue Verbindung von Liedern, die ihren Rezipient:innen nun als geordnete Büchlein gegenübertreten.
Wahrheit durch Ordnung schaffen II: cpg 382 als Wahrheitsding
Welches Narrativ steckt hinter der planvollen, vom Dichter gesteuerten Überlieferung in cpg 382? Zwei Zielrichtungen der Wahrheitsproduktion lassen sich erkennen: Einerseits tritt Beheim als Verteidiger der rechten warhait auf,22 inszeniert sich als singender Prediger und Ausleger geistlicher Themen – zeitweise in der Tradition des Psalmverkünders David selbst.23 In dieser Rolle versucht Beheim am Vorabend der Reformation, einer Zeit multipler (Glaubens-)Krisen, die eine christliche Wahrheit gesellschaftlich zu festigen und ihr durch Abgrenzung des Sündigen ein Feindbild gegenüberzustellen. Andererseits zielt die Wahrheitsproduktion auf die Bestätigung des Handschrifteninhalts. Die Handschrift amalgamiert dazu unterschiedliche Lieder und deren Inhalte zu einem argumentativen Ganzen im Dienste christlich-abendländischer Wahrheitsproduktion und gibt ihm im Objekt eine überdauernde physische Form – es wird zum überzeitlichen Leitfaden, um Leser:innen oder Sänger:innen die Argumentation zur wahrhaftigen Verworfenheit des Amalgams aus Sündern, Juden und Häretikern als tragbares ‚Wahrheitsding‘ in die Hand zu geben, das durch Ordnung Verstehen ermöglichen soll.
Der Sündenkörper als Bindeglied spitzt dabei abstrakte Wahrheiten körperlich zu. Nicht nur warnt der Dichter vor den Sünden, er bindet sie an einen menschlichen Sündenbock, der im zweiten Teil der Komposition schnell ausgemacht werden kann. Der Sündenkörper wird zum Dreh- und Angelpunkt der neuen Ordnung in cpg 382. Die neu formierte Wahrheit richtet sich zunächst und vor allem gegen die Juden, die nicht nur von Gott verworfen sein sollen, sondern auch als ewige Sünder in Szene gesetzt werden.

References
- Ich spreche in diesem Beitrag von „antijüdisch“, da Antisemitismus eine biologistisch, rassistische Komponente des 19. und 20. Jahrhunderts umfasst, die das Mittelalter so nicht kennt. Vielmehr beruht die Judenfeindschaft des Mittelalters auf antijudaistischen, also religiösen Aspekten. Um auch soziale und ökonomische Aspekte abbilden zu können, wird hier der Begriff „antijüdisch“ verwendet. Zur begrifflichen Differenzierung: Friedrich Lotter, Judenfeindschaft (-haß, -verfolgung), in Lexikon des Mittelalters, 10 Bde. (Metzler, [1977]-1999), Band 5, Sp. 790-792.
- Zu Tradition und Fortleben christlicher Adversus-Judaeos-Texte siehe die Bände von Heinz Schreckenberg. Mit Bezug zu Beheim siehe: Heinz Schreckenberg, Die christlichen Adversus-Judaeos-Texte und ihr literarisches und historisches Umfeld (13.–20. Jh.) (Peter Lang, 1994), 547–552. Zur literarischen Bearbeitung antijüdischer Stereotypen und Vorurteile im Mittelalter siehe: Kira Preen, Antijüdische Stereotype und Vorurteile in mittelalterlichen Legenden (Tectum, 2013). Unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklung des Wucherer-Vorwurfs mit Bezug zur Todsünde der Gier: Andreas Rentz: Der „Geldjude“. Antijüdische ökonomische Stereotype im mittelalterlichen Deutschland bis zur Großen Pest (de Gruyter, 2024), 99–132.
- Burghart Wachinger, „Michel Beheim. Prosabuchquellen – Liedvortrag – Buchüberlieferung“, in Ders., Lieder und Liederbücher. Gesammelte Aufsätze zur mittelhochdeutschen Lyrik (de Gruyter, 2011), 369, https://doi.org/10.1515/9783110233476.363.
- Daniela Fuhrmann und Pia Selmayr, „Ordnen, Wissen, Verstehen. Theoretische Vorüberlegungen“, in Erzählte Ordnungen – Ordnungen des Erzählens, hg. v. Dens. (de Gruyter, 2021), 4, https://doi.org/10.1515/9783110729115-001.
- In seinem Erzgräberbispel (Liednr. 250) imaginiert sich der Dichter als Bergmann, der mühsam den Prozess vom Finden der Erzader bis zur Veredelung begleitet. Die veredelte Form ist das gesungene Lied im neuen aus dem ‚Roherz‘ gewonnenen Ton.
- Helmut Tervooren, Sangspruchdichtung (Metzler, 2001), 61.
- Heinrich Oertel (Hrsg.), Michel Beham: von der statt triest (Reichardt, 1916), 1.
- Eine „Weise“ bezeichnet den Ton, in dem das Lied gedichtet wurde. Beheims Weisen erhalten dabei Namen, die nicht selten auf Instrumente, inhaltliche Aspekte oder Aufführungs- und Entstehungsumstände hinweisen.
- Tobias Bulang, „Michel Beheim“, in Sangspruch/Spruchsang. Ein Handbuch, hg. v. Dorothea Klein, Jens Haustein und Horst Brunner (de Gruyter, 2019), 453f.
- Manuela Niesner, „Wer mit juden well disputiren“. Deutschsprachige Adversus-Judaeos-Literatur des 14. Jahrhunderts (Niemeyer, 2005), 468. Besonders zum Werk des Österreichischen Bibelübersetzers: Freimut Löser und Magdalena Terhorst (Hrsg.), Der Österreichische Bibelübersetzer. Das Alttestamentliche Werk (de Gruyter, 2023), xv–xvii.
- Die gewählten Bezeichnungen gehen auf die Online-Präsentation der Handschriften durch die Universitätsbibliothek Heidelberg zurück und berücksichtigen die einzelnen Codices m.E. nicht ausreichend.
- Cod. Pal. germ. 312, fol. 103v. online unter: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg312/0230/image,info. Transkriptionen sind zur leichteren Verständlichkeit an moderne Schreib- und Lautkonventionen angepasst. Daraus folgt: Angleichung von u/v, ſ/s und ı/i sowie die Auflösung von Nasal- und Trennstrichen.
- Siehe auch: Manuela Niesner, „Die ‚Contra-Judaeos-Lieder‘ des Michel Beheim. Zur Rezeption Irmhart Ösers und des Österreichischen Bibelübersetzers im 15. Jahrhundert“, Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur 126 (2004), 398–424, hier 400ff., https://doi.org/10.1515/BGSL.2004.398.
- Cod.Pal.germ 312, fol. 121v, online unter: https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg312/0266/image,info.
- Matthias Miller, „Cod. Pal. germ 312. Michel Beheim: Lieder“, in Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg (Cod. Pal. germ. 304 – 495). hg. v. Universitätsbibliothek Heidelberg, bearbeitet v. Matthias Miller und Karin Zimmermann (Harrassowitz, 2007), 43–46. Ich lese beide Marginalien anders als Miller. Die erste Marginalie verweist auf 28 Blätter, nicht 29. Die zweite Marginalie wird von Miller mit einem (!) markiert, ohne das Problem der Zählung zu adressieren. Es handelt sich m.E.n. um zwei Zahlen XII & XX.
- Dagmar Kratochwill, „Die Autographe des Michel Beheim“, in Litterae Ignotae. Beiträge zur Textgeschichte des deutschen Mittelalters: Neufunde und Neuinterpretationen, hg. v. Ulrich Müller (Kümmerle, 1977), 109–134, hier 110ff.
- Karin Zimmermann, Karin, „Cod. Pal. germ. 382. Michel Beheim: Lieder“, in Die Codices Palatini germanici in der Universitätsbibliothek Heidelberg, 279f.
- Cod.Pal.germ 382, fol. 1r, 90v.
- Hans Gille und Ingeborg Spriewald (Hrsg.), Die Gedichte des Michel Beheim. Nach der Heidelberger Hs. Cpg 334 unter Heranziehung der Heidelberger Hs. Cpg 312 und der Münchener Hs. Cgm 291 sowie sämtlicher Teilhandschriften. Band II Gedichte Nr. 148 – 357 (Akademie Verlag, 1977), 222–224 (Liednr. 202), hier V. 1–4.
- Ad Romanos 6, 6: Hoc scientes quia vetus homo noster simul crucifixus est | ut destruatur corpus peccati | ut ultra non serviamus peccato. Übers.: „[…] weil wir wissen, dass unser alter Mensch zugleich gekreuzigt worden ist, damit der Körper der Sünde zerstört wird, sodass wir nicht länger der Sünde dienen.“ Zitiert nach: Andreas Beriger, Widu-Wolfgang Ehlers und Michael Fieger (Hrsg.), Hieronymus: Biblia Sacra Vulgata. Lateinisch-deutsch, Bd. 5 (de Gruyter, 2018), 722–725.
- William C. McDonald, „Michel Beheim´s Image of Sin: Concerning his Song-Poem ‚Der besluss über dis buch‘ (202), ca. 1470“, Mediaevistik. Internationale Zeitschrift für interdisziplinäre Mittelalterforschung 24 (2011), 151–161, https://doi.org/10.3726/83016_151.
- Gille/Spriewald, Die Gedichte des Michel Beheim, 284 (Liednr. 206), V. 5f. „Das ir gsehent seit verplent / und rechter warhait nit erkent“.
- Ebd., 284 (Liednr. 224), V. 47–52.
SUGGESTED CITATION: Hover, Patrik: Eine Handschrift als Wahrheitsding. Michel Beheims cpg 382 im Dienst einer antijüdischen christlichen Wahrheitsordnung, in: KWI-BLOG, [https://blog.kulturwissenschaften.de/eine-handschrift-als-wahrheitsding/], 15.05.2026